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Filmkritik: „Stromberg – Wieder alles wie immer“ (2025) – Eine Analyse des Scheiterns

Bewertung: ★☆☆☆☆
(1 von 5 Sternen)

Stromberg 2: Anatomie eines filmischen Totalschadens

Im Dezember 2025 betrat ein Film die deutschen Kinos, dessen bloße Existenz eine Zäsur in der heimischen Humorlandschaft markieren sollte. „Stromberg – Wieder alles wie immer“ trat mit dem Versprechen an, den vielleicht letzten großen „Lagerfeuer-Moment“ der deutschen Fernsehkomödie zu entfachen. Doch diese ausführliche Analyse kommt zu einem ernüchternden Schluss: Was als triumphale Rückkehr oder versöhnliches Klassentreffen geplant war, entpuppt sich als bittere Abrechnung mit der eigenen Fanbasis.

Der logische Bruch: Die Serie "Stromberg" funktionierte früher wie ein geschlossenes Ökosystem: Das Büro war der Käfig, die Hierarchie das Gesetz. Dieser neue Film bricht die interne Logik völlig auf. Er nimmt die Figuren aus ihrem natürlichen Habitat und wirft sie in ein Umfeld, in dem ihr Verhalten keine glaubwürdigen Konsequenzen mehr hat. Das wirkt nicht komisch, sondern erzeugt einen "Systemfehler", der das Zuschauen fast schmerzhaft macht.

1. Historischer Kontext: Die Fallhöhe

Um die Enttäuschung zu verstehen, muss man zurückblicken.

  • Die Serie (2004–2012): Sie funktionierte, weil sie im Büro blieb. Die engen Wände und das graue Teppichboden-Ambiente der „Capitol Versicherung“ waren essenziell für die Atmosphäre der Beklemmung, die den Humor erst ermöglichte.
  • Der erste Film (2014): Ein Crowdfunding-Wunder. Er endete mit einem satirischen Triumph: Stromberg fand eine neue Heimat in der Politik. Die Fans fühlten sich verstanden und belohnt.

Zwischen 2014 und 2025 veränderte sich die Welt jedoch fundamental. Themen wie „New Work“, Diversität und Sensibilität im Umgang miteinander machten den Typus des „alten weißen Mannes“, den Stromberg verkörpert, zum Auslaufmodell. Der Film schafft es nicht, diese Figur in die Moderne zu übersetzen.

2. Handlung und Setting: Entwurzelung aus dem Biotop

Das zentrale Problem des Films ist der Verlust des „natürlichen Lebensraums“. Die Capitol-Versicherung ist eine Baustelle. Stattdessen verlagert der Film die Handlung in zwei neue Sphären, die beide fremd wirken:

Setting Das Problem
Das TV-Studio Charaktere werden zu Exponaten degradiert. Die Intimität des Büros geht verloren.
Das Start-up Stromberg hat keine Macht mehr. Seine Übergriffigkeiten wirken ohne Machtbasis nur noch traurig, nicht komisch.

3. Die Figuren: Psychogramme des Verfalls

Der Hauptgrund für die schlechte Bewertung liegt im Umgang mit den geliebten Charakteren. Sie werden nicht weiterentwickelt, sondern demontiert.

  • Bernd Stromberg: Er ist ein Mann, der den Anschluss verloren hat. Seine Versuche, in einem diversen Unternehmen Fuß zu fassen, scheitern kläglich. Er wirkt sozial isoliert und versteht die Welt um sich herum nicht mehr.
  • Ernie Heisterkamp: Bjarne Mädel spielt brillant, aber die Rolle ist tragisch. Ernie versucht sich als Life-Coach, wird aber erneut zum ultimativen Opfer der Gruppe. Der Film gönnt ihm keinen Erfolg, sondern wiederholt nur alte Traumata.
  • Ulf und Tanja: Das einstige Traumpaar ist desillusioniert. Beruflich stagniert Ulf, während Tanja Karriere macht. Ihre Ehe wirkt zermürbt, die Romantik ist einer kalten Realität gewichen.

4. Der missglückte Kulturkampf

Der Film versucht, Debatten um „Wokeness“ und „Cancel Culture“ abzubilden, nutzt diese aber als Holzhammer. Der Film nimmt eine zynische Position ein: Er verachtet seine Titelfigur, aber auch deren Kritiker. Das Publikum im Kino fühlt sich beleidigt, da der Film suggeriert, man sei töricht, diese Figur jemals gemocht zu haben.

Fazit: Warum 1 Stern gerechtfertigt ist

„Stromberg – Wieder alles wie immer“ ist ein Film, der handwerklich zwar hochwertig produziert ist (dank Herbst und Mädel), aber inhaltlich scheitert.

  • Themenverfehlung: Er will Komödie sein, ist aber ein Drama.
  • Keine Katharsis: Die Figuren werden systematisch gedemütigt.
  • Moralischer Zeigefinger: Der Film belehrt sein Publikum, anstatt es zu unterhalten.

Für den Fan, der sich an die glorreichen Zeiten der Capitol erinnern will, ist dieser Film kein Wiedersehen, sondern ein schmerzhafter Abschied. Es bleibt der Rat: Behalten Sie Bernd Stromberg so in Erinnerung, wie er 2014 war – im Bus, auf dem Weg zu neuen Ufern. Dieser Film hingegen ist ein Epilog, den man besser überspringt.

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