Dr. Murphy hatte recht: Warum "Wünschen" reine Biologie ist
Von der Esoterik zur Evidenz: Was 1963 noch wie Magie klang, können wir heute im MRT sichtbar machen.
Kennen Sie das Gefühl, mit dem Auto nach Hause gefahren zu sein, sich aber an die letzten zehn Kilometer kaum erinnern zu können? Sie haben gebremst, geschaltet und gelenkt – aber Ihr bewusster Verstand war ganz woanders (vielleicht beim Abendessen oder einem Streit im Büro).
Lange Zeit hielt ich Bücher wie "Die Macht Ihres Unterbewusstseins" von Dr. Joseph Murphy für netten, aber unwissenschaftlichen Optimismus. Doch je tiefer man in die moderne Hirnforschung (Neuroscience) eintaucht, desto klarer wird: Murphy beschrieb keine Magie, sondern Biologie.
Durch meinen Autismus nehme ich Zusammenhänge oft anders wahr als andere. Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass wir unsere Umstände massiv beeinflussen können – sowohl zum Positiven als auch zum Negativen. Zudem glaube ich, dass unsere heutige Physik vielleicht nur eine "menschliche Interpretation" des Universums ist. Wir sehen die Welt durch unsere Filter – aber wer kennt schon die ganze, absolute Wahrheit?
"Das Unterbewusstsein wertet nicht. Es akzeptiert das, was wir ihm zuführen – sei es Erfolg oder Angst – als absolute Wahrheit und setzt es in die Realität um."
Die 95/5-Regel: Wer sitzt wirklich am Steuer?
Kognitionspsychologen gehen heute davon aus, dass wir etwa 90 bis 95 Prozent unserer täglichen Entscheidungen unbewusst treffen. Der Nobelpreisträger Daniel Kahneman unterscheidet dabei zwei Systeme:
- ➤ System 1 (Autopilot): Schnell, automatisch, emotional. Hier liegen unsere Gewohnheiten.
- ➤ System 2 (Pilot): Langsam, logisch, anstrengend. Das ist unser "bewusster Wille".
Das Problem, das ich dabei sehe: Unser Gehirn ist ein Energiespar-Monster. Es versucht ständig, von System 2 (anstrengend) auf System 1 (einfach) umzuschalten. Das bedeutet: Wir laufen die meiste Zeit auf Autopilot – programmiert von unseren alten Glaubenssätzen.
Aus medizinischer Sicht lagert das Gehirn diese wiederkehrenden Muster in die Basalganglien aus – tief liegende Hirnstrukturen, die für Gewohnheiten zuständig sind.
Neuroplastizität: Umbau bei laufendem Betrieb
Das Spannendste an der modernen Forschung ist für mich die Neuroplastizität. Früher dachte man, das erwachsene Gehirn sei unveränderbar. Heute wissen wir: Gedanken verändern Materie.
Der Hebb’sche Lernsatz
Der Neuropsychologe Donald Hebb formulierte es so: „Neurons that fire together, wire together.“
Wenn ich mir also jeden Tag sage "Ich schaffe das nicht", dann baue ich eine neuronale Datenautobahn für Misserfolg in meinem Kopf. Das Gehirn wird extrem effizient darin, Angst zu produzieren. Murphy nannte das "negative Suggestion" – die Neurowissenschaft nennt es "synaptische Verstärkung". Das Prinzip ist dasselbe.
Der Beweis: Muskeln wachsen durch Gedanken
Klingt verrückt? Eine Studie der Cleveland Clinic Foundation hat mich wirklich umgehauen:
- ✓ Eine Gruppe trainierte ihre Fingerkraft im Fitnessstudio (+30% Kraft).
- ✓ Die andere Gruppe stellte sich das Training nur mental vor, ohne einen Finger zu rühren. Ihre Kraft stieg trotzdem um 13,5%.
Für unser Gehirn ist der Unterschied zwischen Vorstellung und Realität viel kleiner, als wir glauben. Das erklärt, warum Visualisierung im Sport (und im Leben) so gut funktioniert.
Das RAS: Warum wir plötzlich überall rote Autos sehen
Ein weiterer Mechanismus ist das Retikulare Aktivierungssystem (RAS). Es ist der Türsteher unseres Gehirns. Es lässt nur durch, was wir als "wichtig" markiert haben.
Das kennen wir alle: Man entscheidet sich für ein bestimmtes Automodell, und plötzlich sieht man es überall. Das Auto hat sich nicht vermehrt – wir haben nur unseren Filter neu eingestellt. Wenn wir uns also auf "Chancen" oder "Erfolg" fokussieren, ist das keine Magie. Wir programmieren nur unseren Suchfilter neu, damit er Möglichkeiten nicht mehr ausblendet.
Mein Fazit: Architekt statt Opfer
Die Wissenschaft bestätigt heute die Intuition alter Weisheitslehrer. Wir sind keine Opfer unserer Umstände, sondern unserer biochemischen Gewohnheiten.
Ich versuche mittlerweile, diese Erkenntnisse bewusst zu nutzen:
- 1. Metakognition: Ich versuche, mich bei negativen Gedanken zu ertappen und "Stopp" zu sagen.
- 2. Emotionen nutzen: Nur "denken" reicht nicht. Man muss es fühlen, damit das limbische System anspringt.
Unser Gehirn ist das mächtigste Werkzeug, das wir besitzen. Die Frage ist für mich nicht mehr, ob es programmiert wird, sondern ob ich die Programmierung selbst übernehme oder sie dem Zufall überlasse.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und Inspiration. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose oder psychotherapeutische Behandlung.
